Am Anfang stolpert jeder durchs System. Neue Wache, neue Abläufe, Druck, Schichtwechsel, kaputte Ausrüstung, Einsätze, Dauerfunk – alles gleichzeitig. Fehler gehören da einfach dazu. Das Problem: Der Dienst bewertet deine Fehler nicht als „Anfängerfehler“, sondern ganz normal als Vorgang – und prüft, ob es Fahrlässigkeit war. Da fragt später keiner: „War der Kollege neu?“ Die Verwaltung schaut nur auf den Ablauf. Das führt dazu, dass junge Polizisten häufiger in Haftungsthemen reinrutschen – nicht weil sie schlechter arbeiten, sondern weil sie noch keine Routine haben.
Das tut weh, aber es ist Realität: Als Anwärter oder Beamter auf Probe verdienst du weniger – haftest aber wie ein erfahrener Kollege. Wenn plötzlich ein Schreiben kommt, weil etwas kaputtgegangen oder verloren gegangen ist, wird es schnell teuer:
- 300–600 Euro tun weh
- 1.000 Euro reißen ein Loch
- 5.000 Euro sind für viele mehrere Monatsgehälter
Und genau deshalb erwischt es junge Kollegen mental viel stärker – weil man finanziell und emotional noch mitten im Einstieg steckt.
In den ersten Jahren will man zeigen, dass man zuverlässig ist. Gleichzeitig weiß man: Der Status ist noch nicht sicher. Viele unterschätzen, dass bestimmte Fehlverhalten – je nach Schwere – nicht nur finanziell, sondern auch disziplinarisch bewertet werden können. Ein kaputtes Dienstfahrzeug, ein Verlust von Ausrüstung, ein Vorwurf im Einsatz – bei jungen Beamten wird genauer hingeschaut. Ein erfahrener Kollege steckt das ab und hakt es ab. Ein junger Kollege hat danach vielleicht eine Aktennotiz mehr, als ihm lieb ist. Das macht das Thema doppelt sensibel.
Die Wahrheit: Junge Kollegen sind meist die, die „machen“. Sie fahren viele Streifenfahrten, gehen bei Zugriffen vorne rein, übernehmen Sachen, die ältere Kollegen lieber abgeben. Und genau in diesen Situationen passieren typische Fehler:
- zu weit zurückgesetzt
- beim Widerstand etwas fallen lassen
- Kurve bei der „Blaufahrt“ falsch eingeschätzt
- Ausrüstung versehentlich irgendwo stehen lassen
- Tür zu hektisch geöffnet
- Technik nicht richtig eingerastet
Kein Mensch macht das absichtlich. Aber die Haftung kennt diese menschliche Seite nicht – sie bewertet den Ablauf.
Fragt man junge Kollegen nach Amtshaftung, grober Fahrlässigkeit oder Regress, kommt meistens:
„Weiß ich nicht so genau.“
oder
„Dazu hat keiner was gesagt.“
Das liegt nicht an dir. Das Thema kommt in der Ausbildung oft nur am Rand vor. Man verlässt sich auf das Bauchgefühl: „Der Staat wird das schon regeln.“
Aber: Unwissen schützt nicht vor Haftung. Wenn etwas verloren geht oder beschädigt wird, zählt am Ende nur die Bewertung des Vorgangs – nicht, ob man wusste, was das Gerät kostet oder welche Regeln gelten.