Dienstunfähigkeit bei der Polizei: Was der Staat wirklich zahlt – und wo die Lücke entsteht

Im Polizeidienst gibt es Themen, die einen im Hintergrund begleiten, ohne dass man sich wirklich damit auseinandersetzt. Dienstunfähigkeit gehört genau in diese Kategorie. Man weiß, dass es sie gibt. Man geht irgendwie davon aus, dass der Staat schon etwas zahlt. Und solange kein Kollege betroffen ist, bleibt DU ein abstrakter Begriff.

Der Moment, in dem jemand aus der eigenen Einheit plötzlich nicht mehr da ist, verändert alles. Aus Theorie wird Realität. Und dann taucht die Frage auf: Wie groß ist meine Lücke eigentlich? Dieser Artikel beantwortet das konkret – mit Zahlen, Paragraphen und einem realistischen Rechenbeispiel.

warum dienstunfähigkeit im alltag keinen platz hat

Wann ein Polizist als dienstunfähig gilt

Dienstunfähigkeit bedeutet im Polizeivollzug nicht einfach, dass jemand gar nicht mehr arbeiten kann. Entscheidend ist, ob die gesundheitlichen Voraussetzungen für den besonderen Dienst dauerhaft nicht mehr erfüllt werden und eine vollständige Wiederherstellung absehbar nicht zu erwarten ist.

Wichtig ist dabei der Unterschied zur normalen Berufsunfähigkeit: Wer für den Streifendienst oder den Vollzug nicht mehr geeignet ist, kann versicherungsrechtlich trotzdem noch als arbeitsfähig gelten, etwa für eine Tätigkeit in der Verwaltung. Genau diese Lücke muss eine passende DU-Absicherung sauber auffangen.

Wie häufig trifft es Polizeibeamte wirklich?

Dienstunfähigkeit ist kein seltenes Randphänomen im Polizeidienst. Laut Statistischem Bundesamt wird rund jeder siebte Beamte in Deutschland vor Erreichen der Regelaltersgrenze dienstunfähig. Bei Polizeivollzugsbeamten liegt das Risiko aufgrund der besonderen körperlichen und psychischen Belastungen überdurchschnittlich hoch.

Die häufigsten Ursachen für Dienstunfähigkeit im Polizeidienst

  1. Psychische Erkrankungen (Burnout, PTBS, Depressionen): laut Achtem Versorgungsbericht der häufigste Grund im Polizeivollzug.
  2. Muskel-Skelett-Erkrankungen (Rücken, Knie, Schulter, Bandscheibe): typische Langzeitfolgen von körperlichen Belastungen, Einsatz und Schichtdienst.
  3. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sonstige internistische Diagnosen:  Die Konfrontation mit Extremereignissen und dauerhafter Anspannung erhöht das Risiko psychischer Erkrankungen erheblich – auch bei Kollegen, die nach außen als besonders belastbar gelten.
dienstunfähigkeit

Was der Staat zahlt – und was nicht

Die Grundregel: Ruhegehalt nach Dienstjahren

Wer als Beamter auf Lebenszeit mit mindestens fünf Jahren Dienstzeit dienstunfähig wird, hat Anspruch auf Ruhegehalt (§ 14 BeamtVG). Die Berechnung ist einfach, das Ergebnis ist häufig ein Schock:

  • Pro vollem Dienstjahr: 1,79375 % der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge
  • Maximum: 71,75 % nach 40 Dienstjahren
  • Versorgungsabschlag bei DU ohne Dienstunfall: 0,3 % pro Monat vor Regelaltersgrenze, maximal 10,8 %
  • Bei Dienstunfall: kein Versorgungsabschlag, Unfallruhegehalt 80 % aus übernächster Besoldungsgruppe (§ 37 BeamtVG)
  • Hinweis zum Landesrecht: Das BeamtVG gilt für Bundesbeamte; Polizeibeamte der Länder unterliegen den jeweiligen Landesbeamtenversorgungsgesetzen, die inhaltlich ähnlich, im Detail aber abweichend sein können.

Konkrete Zahlen: Was bleibt bei frühem Ausfall?

Angenommen: Polizeibeamter A8, Nettobezug aktiv ca. 2.600 €/Monat. DU tritt ohne Dienstunfall ein.

Dienstalter bei DU

Verdiente Dienstjahre

Ruhegehaltssatz

Ruhegehalt brutto (ca.)

Netto (ca.)

Monatliche Lücke (ca.)

28 Jahre

5 Jahre

~9 %

~250 €

~220 €

~2.380 €

32 Jahre

9 Jahre

~16 %

~430 €

~380 €

~2.220 €

38 Jahre

15 Jahre

~27 %

~720 €

~640 €

~1.960 €

45 Jahre

22 Jahre

~39 %

~1.040 €

~920 €

~1.680 €

Hinweis: Diese Werte sind Orientierungsrechnungen auf Basis von Besoldungsgruppe A8 und BeamtVG-Bundesmuster. Versorgungsabschlag (max. 10,8 %) ist eingerechnet. Zurechnungszeit (zwei Drittel der Zeit bis 60) ist bei den Werten mit weniger als 10 Dienstjahren entlastend, aber reicht nicht annähernd an einen existenzsichernden Betrag heran. Individuelle Werte bitte beim zuständigen Dienstherrn anfragen.

Gut zu wissen: Das Ruhegehalt für Polizeibeamte beträgt mindestens 35 % der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge (amtsabhängige Mindestversorgung) oder 65 % der Endstufe der Besoldungsgruppe A4 (amtsunabhängige Mindestversorgung), je nachdem, was höher ist (§ 14 Abs. 4 BeamtVG). Für A4 Endstufe (Bundesrecht, Stand 2025) sind das rund 1.100–1.200 € brutto. Das entspricht dem absoluten Existenzminimum. Für eine Familie mit Kredit, Kita und laufenden Kosten ist das keine Lösung.

Weißt du wie groß deine Versorgungslücke wäre wenn dich einer dieser drei Faktoren morgen aus dem Dienst reißt?

Knie, Psyche, Familie, Wer das nie durchgerechnet hat verlässt sich auf Hoffnung statt auf Planung. Wir machen das kurz gemeinsam.

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Wer gar kein Ruhegehalt bekommt

Für Polizeianwärter und Beamte auf Probe stellt sich die Versorgungsfrage bei Dienstunfähigkeit noch schärfer als für Kollegen auf Lebenszeit. Der Grund: Sie werden in aller Regel entlassen, nicht in den Ruhestand versetzt. Ein Anspruch auf Ruhegehalt entsteht damit gar nicht erst. Was der Dienstherr tut, ist die geleistete Dienstzeit in der gesetzlichen Rentenversicherung nachzuversichern — ein Vorgang, der bei einer kurzen Dienstzeit zu entsprechend kleinen Ansprüchen führt. Für diese Gruppe ist private DU-Absicherung kein ergänzender Baustein, sondern die tragende Säule.

Was eine DU-Versicherung leistet – und worauf es bei Polizisten ankommt

Warum eine normale BU-Versicherung nicht reicht

Je jünger und gesunder beim Abschluss, desto günstiger der Beitrag – und desto sicherer die Annahme. Wer wartet, bis die ersten Beschwerden kommen, riskiert Risikozuschläge oder Ausschlüsse. Im schlimmsten Fall eine Ablehnung. Eine DU-Versicherung kann man nicht mehr abschließen, wenn das Haus bereits brennt.

Was eine DU-Versicherung für Polizisten kosten kann

Die Prämien hängen stark von Alter, Gesundheit, gewünschter Rentenhöhe und Anbieter ab. Als grobe Orientierung aus dem Markt (Stand 2025):

Alter bei Abschluss

Monatliche DU-Rente

Ca. Monatsbeitrag

23 Jahre (Anwärter)

1.000 €

ab ca. 40–60 €/Monat

27 Jahre (Probe)

1.200 €

ab ca. 60–90 €/Monat

32 Jahre (Lebenszeit)

1.500 €

ab ca. 90–130 €/Monat

Wichtig: Realistische Mindestprämien für Polizeibeamte starten laut Marktübersicht bei ca. 70 €/Monat. Günstigere Angebote ohne spezialisierte Klauseln können im Leistungsfall unzureichend sein. Konkrete Angebote auf Anfrage.

Wann der frühestmögliche Abschluss sinnvoll ist

Je jünger und gesunder beim Abschluss, desto günstiger der Beitrag – und desto sicherer die Annahme. Wer wartet, bis die ersten Beschwerden kommen, riskiert Risikozuschläge oder Ausschlüsse. Im schlimmsten Fall eine Ablehnung. Eine DU-Versicherung kann man nicht mehr abschließen, wenn das Haus bereits brennt.

Fazit

Das System leistet bei Dienstunfähigkeit etwas – aber wie viel, hängt direkt davon ab, wie lange du schon im Dienst bist. Wer jung ausfällt, bekommt wenig. Wer im Widerruf oder auf Probe ausfällt, bekommt gar nichts vom Dienstherrn. Die Lücke ist real, bezifferbar und mit der richtigen Versicherung schließbar. Es geht nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, einmal ehrlich nachzurechnen – bevor es darauf ankommt. Konkrete Angebote und eine individuelle Einschätzung auf Anfrage.

cta

Mein Tipp als Kollege

Wenn du wissen möchtest, wie deine Situation konkret aussieht – ruhig, verständlich und ohne Druck –, schreib mir einfach kurz. Wir gehen das wie unter Kollegen durch: Schritt für Schritt, ohne Verkaufskram.

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Hinweis: Die genannten Regelungen beziehen sich auf das Bundesrecht (BeamtVG). Für Polizeibeamte der Länder gelten die jeweiligen Landesbeamtenversorgungsgesetze, die im Detail abweichen können. Beiträge und Leistungen dienen als Orientierungswerte und können je nach Anbieter, Gesundheitszustand und individueller Situation variieren.

 

Absicherung gegen DU – Die häufigsten Fragen