Bevor man darüber spricht, wie viel du monatlich zurücklegen solltest, musst du erst wissen, was du im Alter eigentlich brauchst. Viele Kollegen machen sich darüber erst Gedanken, wenn sie Anfang oder Mitte 40 sind und dann ist die Zeitspanne bis zur Pension schon deutlich kürzer. Drei Fragen helfen, die Richtung festzulegen: Wie möchtest du im Alter leben? Möchtest du weiterhin reisen, dir ein Auto leisten, deine Kinder unterstützen oder einfach ohne Sorgen jeden Monat deine Fixkosten decken können? Dann die zweite Frage: Wie viele Jahre hast du realistisch noch bis zur Pension, und wie viel kannst du in dieser Zeit aufbauen? Und drittens: Wie viel Netto kannst du heute entbehren, ohne dass es dir im Alltag weh tut? Wenn du diese drei Punkte ehrlich für dich beantwortest, hast du eine solide Grundlage, auf der du realistisch planen kannst und nicht nach Gefühl oder Bauchgefühl entscheidest.
Viele Polizisten unterschätzen, wie groß die Lücke zwischen Pension und letztem Netto wirklich ist. Klar, 100 Euro im Monat zur Seite legen ist ein Anfang – aber eben nur ein Anfang. Ein realistisches Ziel ist, später auf ungefähr 70 bis 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens zu kommen. Die Pension selbst deckt einen Teil davon ab, aber der Rest muss privat aufgebaut werden. Und dieser Rest ist oft größer, als man erwartet. Wenn du heute 50 oder 100 Euro investierst, ist das gut, aber auf lange Sicht wird es nicht reichen, um die Lücke komplett zu schließen. Realistisch wird es, wenn du dir anschaust, was Kollegen in verschiedenen Lebensphasen tatsächlich schaffen können und wie viel daraus bis zur Pension werden kann. Diese Ehrlichkeit braucht man, wenn man später nicht überrascht werden will.
Für junge Polizisten, die gerade erst anfangen, sind schon 100 oder 150 Euro im Monat ein guter Start. Der Vorteil in dieser Phase ist der lange Anlagehorizont: Wer mit Anfang oder Mitte 20 anfängt, hat 35 bis 40 Jahre Zeit. Das macht kleine Beträge plötzlich erstaunlich wirksam. Kollegen Mitte 30 oder Anfang 40 stehen oft vor anderen Realitäten. Kinder, Haus, Schichtdienst, weniger Puffer – und gleichzeitig wächst die Versorgungslücke. In dieser Phase werden 200 bis 300 Euro monatlich deutlich realistischer, einfach weil die Zeit, um Kapital aufzubauen, kürzer wird. Für Kollegen ab 40 oder später ist der Spielraum noch kleiner. Da geht es weniger um Perfektion, sondern mehr darum, ehrlich zu erkennen, was jetzt nötig ist, um wenigstens einen Teil der Lücke zu schließen. Beträge ab 300 Euro sind in dieser Lebensphase keine Seltenheit – nicht, weil man gierig sparen will, sondern weil die Mathematik es so vorgibt.
Für Polizisten gelten völlig andere Regeln als für Angestellte. Beihilfe, Dienstunfähigkeit, Besoldung und später die Pension bestimmen, wie sinnvoll einzelne Vorsorgeformen überhaupt sind. Viele Bausteine, die im zivilen Bereich üblich sind – wie die betriebliche Altersvorsorge – gibt es für Beamte schlicht nicht.
Stattdessen setzen viele Kollegen auf eine private Rentenversicherung, idealerweise kombiniert mit einer Dienstunfähigkeitsversicherung (jedoch nicht im gleichen Vertrag, am besten immer einzeln), weil genau dort die größte finanzielle Lücke liegen kann. Andere bauen mit einem ETF- oder Fondssparplan flexibel Vermögen auf, unabhängig von ihrem Dienststatus. Wer steuerlich stärker belastet ist, kann zusätzlich über eine Basisrente nachdenken, weil sie steuerliche Vorteile bringt.
Auch die vermögenswirksamen Leistungen (VL) sollte man nicht verschenken. Sie ersetzen zwar keine echte Altersvorsorge, helfen aber dabei, jeden Monat automatisch Vermögen aufzubauen – vor allem wenn der Arbeitgeberzuschuss genutzt wird.
Es gibt nicht den einen Weg, der für alle passt. Am Ende brauchst du einfach die Bausteine, die zu dir, deinem Dienststatus und deinem Geldbeutel passen. Wenn das zusammenstimmt, hält deine Vorsorge auch dann, wenn sich in deinem Dienstleben etwas verändert.
Viele Kollegen beginnen ihre Altersvorsorge mit einem ETF-Sparplan. Verständlich: Er ist flexibel, günstig, transparent und man sieht sofort, wie das Vermögen wächst. Gerade in jungen Dienstjahren ist das oft der beste Einstieg, weil man mit kleinen Beträgen anfangen kann, ohne sich langfristig festzulegen. Des Weiteren schützt dich ein guter Vertrag vor Erhöhung der Kapitalertragssteuer.
Mit der Zeit kommt aber ein Punkt, an dem viele merken: Der Sparer-Pauschbetrag ist schnell ausgeschöpft.
Die Freigrenze für Kapitalerträge liegt aktuell bei:
- 1.000 Euro pro Jahr (Singles)
- 2.000 Euro pro Jahr (Verheiratete)
Sobald die angesparte Summe größer wird, greifen die Abgeltungssteuer bzw. im Ruhestand die nachgelagerte Besteuerung. Der ETF läuft zwar weiter gut, aber ein Teil der Rendite geht an den Staat. Und ab gewissen Depotgrößen – das sind bei 5–6 Prozent Rendite etwa 20.000–40.000 Euro Kapital – ist der Freibetrag fast jedes Jahr aufgebraucht. Genau an dieser Stelle entscheiden sich viele Polizisten bewusst für eine Ergänzung, zum Beispiel:
- eine private Rentenversicherung (fondsgebunden)
- oder eine Basisrente (Rürup), wenn man steuerlich stark belastet ist
Warum? Weil diese Bausteine etwas können, was ein ETF alleine nicht leistet:
- Steuervorteile während der Sparphase
Gerade die Rürup-Rente ist für Kollegen mit höherer Steuerlast interessant: Einzahlungen können zu großen Teilen steuerlich abgesetzt werden. Das macht Sinn, sobald man in höhere Besoldungsgruppen kommt oder viele Zulagen hat.
- Steuerliche Entlastung bei hohen Depotständen
Durch die Kombination aus ETF und einer fondsgebundenen Rentenversicherung verteilt man sein Vermögen auf zwei steuerliche Systeme. Dadurch kann man die Steuerlast langfristig besser balanciere.
- Planbares Einkommen im Alter
Ein ETF ist Vermögen. Eine Rentenversicherung ist Einkommen. Beides zusammen macht den Ruhestand deutlich stabiler.
- Flexibilität bleibt trotzdem erhalten
Die meisten modernen Rententarife bieten heute:
- freie Beitragsspannen
- Zuzahlungen
- Pausen
- Kostenloser & Steuerfreier Fondswechsel
- Kapitalentnahmen zu bestimmten Bedingungen
Also nicht mehr das starre Produkt, das viele aus früheren Zeiten im Kopf haben.